Ordnung oder Unordnung?

Spätestens seit dem Klassiker „Simplify your Life“ von Werner Tiki Küstenmacher und Lothar Seiwert wissen wir das eine grundsätzliche Ordnung im Leben positive Auswirkungen auf unser Glück hat. Wenn wir eine Hauptzeit damit verwenden würden Dinge zu suchen und immer wieder uns die Frage stellen müssten, ob wir auch nichts vergessen haben, dann fehlt es uns an Glück. Oder an Zeit glücklich zu sein.

Im professionellen Umfeld haben sich mittlerweile auch die Themen Kanban, Lean Production und kontinuierlicher Verbesserungsprozess zu einem wichtigen Bestandteil der Unternehmen entwickelt. Ich persönlich find es immer sehr lustig, wenn dann der Coach für diese Themen unterwegs ist und die Mitarbeiter genau dann Ihren Schreibtisch aufräumen, um nicht das normale und durchaus übliche Chaos auf dem Tisch dem Coach zeigen zu müssen. Gut, das Gelernte direkt umsetzen hat natürlich auch seine positiven Seiten, leider kann ich meistens aber keine dauerhafte Änderung auf den Schreibtischen sehen. Gehe ich nach 4 Wochen genau zu den gleichen Schreibtischen, sehe ich wieder das übliche Chaos mit viel Papierstapeln auf dem Tisch.

Natürlich ist es für viele Menschen nicht einfach Ihre Gewohnheiten zu ändern. Schließlich höre ich ja auch immer wieder, dass Dokumente besser zu lesen sind, wenn man sie ausdruckt. Als Begründung bekomme ich dann immer wieder, dass Fehler in den Dokumenten angeblich besser auf Papier gefunden werden, als direkt am Bildschirm. Und Bücher sind sowieso viel besser auf Papier als irgendwelche E-Books.

Wir sind im Informationszeitalter möchte ich diesen Personen immer antworten. Das Informationszeitalter bedeutet, dass wir uns auch besser an diese Zeit anpassen müssen. Grundsätzlich werden immer mehr Menschen „Knowledge-Worker“, das bedeutet auch, dass wir eben nicht mehr täglich die identischen Arbeitsschritte erledigen müssen, wie das im Zeitalter der Industrialisierung notwendig war. Heutzutage haben wir täglich andere Themen zu bearbeiten, kein Tag an dem wir das gleiche tun, wie am Tag zuvor. Wir haben Projekte zu erledigen, deren klassisches Merkmal ist, dass es immer wieder andere Herausforderungen zu meistern sind.

Eines der aus meiner Sicht notwendigen Anpassungen, die wir machen müssen, ist es unser Wissen und unsere Werkzeuge so gut wie eben möglich sortiert zu haben. Und um das zu Erreichen, ist die Frage, ob zum Beispiel ein Buch besser in Papierform oder elektronisch ist. Ich ziehe die elektronische Version vor, da ich nur so die Möglichkeit habe es mittels Volltextsuche nach Stichworten zu durchsuchen. In der Vergangenheit stand ich einfach zu häufig vor meinem vollen Bücherregal und fragte mich, in welchem Buch ich einen interessanten  Abschnitt zum Thema „Meta-Modell“ oder ähnlichen gelesen habe. Viele von Ihnen werden jetzt sagen: „Aktives Lesen von Büchern bedeutet auch sich Notizen zu machen und Abschnitte zu markieren.“ Ja, natürlich könnte ich auch über 500 Bücher mit Post-Ist und ähnlichen markieren. Grundsätzlich muss ich mir aber immer noch eine ganze Menge merken um genau wieder an diese Stelle zu kommen.

Vor ein paar Monaten haben ich mich deshalb entscheiden, alle meine Bücher in einer digitalen Form vorliegen zu haben. Das war leider kein so ganz so einfaches Unterfangen, da ich für viele meiner Bücher keine E-Books bekam und dann vor der Entscheidung stand, diese Bücher am Buchrücken aufschneiden zu lassen und dann zu scannen. Für viele Menschen ein „barbarischer“ Akt, die Bücher einfach kaputt zu machen. Ich persönlich sah und sehe allerdings den Wert der Bücher in Ihrem Inhalt und nicht in dem Papier und der Bindung. Klar, habe ich auch keine „wertvollen“ Bücher gehabt. Die Meisten von den Büchern hätte ich wahrscheinlich nur für 1-3 Euro bei Ebay verkaufen können. Trotzdem habe ich mich dazu entscheiden die Bücher in elektronische Form zu besitzen oder zu überführen, wie auch immer man das jetzt sieht. Ich brachte also einen großen Haufen zu Staples und lies mir die Bücher auf dem Rücken aufschneiden.

Ein besonders interessantes Ereignis ist mir dabei übrigens auch passiert. Nachdem ich nun das dritte oder vierte Mal bei Staples war und wieder neue Bücher in Auftrag gab, wurde ich von der netten Mitarbeiterin angesprochen, ob ich die Bücher denn auch alle gelesen hätte. Ich erwiderte: „Ja, das habe ich gemacht. Ich lese recht viele Bücher.“ Daraufhin sagte mir die Mitarbeiterin, dass sie das recht spannend findet, da sie eigentlich nur ein Buch bis jetzt gelesen hätte. Mir lag in diesem Moment natürlich ein „flotter“ Spruch auf der Zunge, den ich aber nicht ausgesprochen habe und auch nicht wiederholen möchte.

Nachdem ich nun wirklich alle meiner Bücher als E-Book habe, kann ich ohne weiteres auf das gesammelte Wissen der Bücher auf meinem USB-Stick bzw. der Cloud zugreifen. Ich brauche keine Bücher mehr schleppen und auch das lästige Suchen entfällt dank der Volltextsuche. Weiterhin habe ich natürlich auch keine Bücher mehr auf meinen Schreibtisch stehen, und deshalb kann ich mir das aufwendige aufräumen und sortieren bzw. markieren der Bücher sparen.

Für mich hat sich der Umstieg auf E-Books damit gelohnt. Ich habe damit einen großen Gewinn an schneller Verfügbarkeit von Wissen hinbekommen und kann damit entspannter Arbeiten und mehr schaffen.

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