Die vier Phasen des Lernens

Häufig schätzen sich Menschen falsch ein. Sie beginnen zum Beispiel, ein neues Musikinstrument, eine neue Fremdsprache oder eine neue Sportart zu lernen. Viele gehen zu Beginn euphorisch an die neue Aufgabe heran. Dann allerdings kommt der erste Rückschlag und damit auch das Ende der Ambitionen etwas Neues zu Lernen. Wie aber kommt es, dass Sie die Situation so falsch einschätzen und mitten im Lernprozess entdecken, dass sie viel mehr Arbeit in das Thema stecken müssen, als am Anfang gedacht?

Je mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, dass ich nichts weiß.

–       Sokrates

Eine mögliche Erklärung dafür könnten die von Joseph O‘Connor und John Seymour beschriebenen vier Kompetenzen des Lernens liefern. Wir lernen alles in Teilschritten um genau zu sein 4 Teilschritte.

Als Erstes müssen wir einmal erfassen, dass wir etwas nicht können oder wissen – und entsprechend dazu lernen wollen. Man weiß halt leider nicht, was man nicht weiß. Diese Phase nennt sich unbewusste Inkompetenz und ist zwar noch nicht das tatsächliche Lernen, allerdings geht diese Phase dem Lernen voraus und ist die wichtige Phase der Erkenntnis. Nehmen wir als Beispiel das Autofahren. Als kleine Kinder kannten wir noch kein Auto, also konnten wir nicht wissen, dass wir kein Auto fahren können.

Die zweite Phase ist quasi die Entscheidung. Die bewusste Inkompetenz. Wir erkennen, dass wir etwas nicht können, entwickeln nun auch eine Idee davon, wie wir dieses Thema lernen könnten. Erst so können wir gezielt an dem Thema arbeiten und dazu lernen. Auch hier sprechen wir noch nicht von dem eigentlichen Lernen, da das erst in der nächsten Phase stattfinden. Allerdings treffen wir hier eine Entscheidung etwas lernen oder können zu wollen. Auf das Beispiel des Autofahrens übertragen: Ich weiß, was ein Auto ist, und mir ist bewusst, dass ich es noch nicht fahren kann.

In der dritten Phase beginnen wir zu lernen und sehen gleichzeitig erste Lernerfolge. Wir begreifen bewusst den Fortschritt von der bewussten Inkompetenz zur bewussten Kompetenz. Ein gutes Gefühl, das allerdings noch mit einigen Anstrengungen verbunden ist: Wir müssen pauken, büffeln, auswendig lernen, trainieren – immer und immer wieder. Das kostet Energie, und wir machen hin und wieder Fehler. Ich weiß, dass ich das kann. Um beim Auto zu bleiben: Ich kann Auto fahren, muss mich aber darauf konzentrieren und eine Ablenkung könnte dazu führen, dass ich einen Unfall baue. Nur, erst in der letzten Phase kommt der eigentliche Spaß hinzu.

In der vierten Phase haben wir genug praktische Erfahrung mit dem Wissen und den neuen Fähigkeiten gesammelt, so dass sie uns in Fleisch und Blut übergegangen sind und jederzeit abgerufen werden können; ohne uns bewusst darauf konzentrieren zu müssen. Wir sind unbewusst kompetent und was uns jetzt spielend leicht von der Hand geht, ist für andere noch eine große Herausforderung. Nun haben wir etwas so sehr verinnerlicht, dass es keine Mühe mehr bereitet, es aus- bzw. durchzuführen. Es funktioniert voll automatisiert. Hier ist das Autofahren so ganz nebenbei zu bewerkstelligen, und ich überlege nicht mehr, ich tue es einfach!

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